inklusiver Hand-Ball: Glücks-Panther gewinnen Inklusions-Preis
Die Glücks-Panther Dudenhofen-Schifferstadt
und der WSV Sinzig Wassahr
haben einen Preis ge·wonnen.
Der Preis heißt: Karl-Heinz-Thommes-Preis.
Er wird von Special Olympics Rheinland-Pfalz ver·geben.
Herzlichen Glückwunsch!
Jedes Jahr bekommen Vereine, Projekte oder Menschen diesen Preis.
Sie setzen sich besonders für Inklusion und Teilhabe ein.
Das bedeutet: Alle Menschen sollen mitmachen können.
Das Preis-Geld ist bis zu ein-tausend Euro.
Wir haben mit Steffen Bruns gesprochen.
Er organisiert das Projekt Glücks-Panther.
Er hat auch über Schwierigkeiten und die Preis-Verleihung gesprochen.
Unten steht der Text auch in Schwerer Sprache.
Über die Vor·lese-Funktion kann man sich den Text vor·lesen lassen.
Den Text über WassAhr (Paddeln) lest ihr hier.
Wie die Idee entstanden ist
Steffen Bruns engagiert sich schon lange bei Special Olympics.
Das sind etwa 10 bis 15 Jahre.
Sein früherer Arbeit-Geber hat Special Olympics unterstützt.
Dafür wurden freiwillige Helfer gesucht.
Steffen Bruns hat als freiwilliger Helfer mitgemacht.
Dann hat sein Sohn mit Handball angefangen.
Steffen Bruns wollte beides verbinden:
Seine Begeisterung für Special Olympics und die Begeisterung seines Sohnes für Handball.
Er findet Handball einen tollen Sport.
Er wollte auch Kindern und Jugendlichen ohne Beeinträchtigung Begegnungen ermöglichen.
Sie sollten Kinder mit Beeinträchtigung kennenlernen.
So konnten sie neue Erfahrungen sammeln.
Sie konnten sehen, wie das Leben und der Sport dort sind.
Deshalb haben mehrere Partner im September 2023 einen Inklusions-Tag organisiert.
Dazu gehörten der Handball-Verband, Special Olympics und die Glücks-Liga.
Die Glücks-Liga ist eine Handball-Liga für Menschen mit und ohne Beeinträchtigung.
Auch die National-Mannschaft der gehörlosen Menschen war dabei.
An diesem Tag war die Stimmung besonders schön.
Die Jugendlichen gingen mit einem Lächeln aus der Halle.
Die Eltern waren begeistert.
Auch ein Schiedsrichter aus der Bundes-Liga war dabei.
Ein Schiedsrichter leitet ein Sport-Spiel.
Die Bundes-Liga ist eine der höchsten Spiel-Klassen im deutschen Handball.
Der Schiedsrichter wurde an diesem Tag sogar umarmt.
Er erzählte Steffen Bruns von seinen Erfahrungen.
Menschen hatten ihn schon bespuckt, bedroht, geschlagen und getreten.
Auch sein Auto war schon zerkratzt worden.
Aber jemand hatte ihn noch nie umarmt.
Die Glücks-Panther werden gegründet
Im Juni 2025 stand für Steffen Bruns fest:
Wir müssen etwas machen!
Er wollte bei der HSG Dudenhofen-Schifferstadt eine Glücks-Mannschaft gründen.
Dafür gab es einige Schwierigkeiten.
Man braucht Trainer und eine Sport-Halle.
Die Zeiten für das Training in einer Halle sind oft knapp.
Viele Vereine wollen die Hallen nutzen.
Man braucht auch Geld.
Zum Beispiel muss man Bälle kaufen.
Die erste Ausrüstung kostete ungefähr 1.000 Euro.
Ein Freund von Steffen Bruns bezahlte das Geld allein.
Das erste Geld für die Glücks-Panther kam aus seinem privaten Umfeld.
Auch Werbung war wichtig.
Dafür braucht man zum Beispiel Flyer und Plakate.
Man muss Schulen besuchen und das Projekt bekannt machen.
Steffen Bruns und seine Kollegin Jana haben auch bei den Glücks-Füchsen in Mutterstadt mit·gearbeitet.
Das nennt man Hospitation.
Dabei schaut man sich an, wie andere arbeiten.
Die Glücks-Füchse haben viel weniger Trainer als die Glücks-Panther.
Deshalb helfen Steffen Bruns und Jana dort mit.
So lernen sie, wie sie mit den Handball-Kindern umgehen können.
Sie lernen auch, wie sie das Training gestalten können.
Außerdem wird das Projekt dadurch in der Region bekannter.
Die Glücks-Panther haben mit 4 Kindern angefangen.
Am Anfang gab es sogar mehr Trainer als Kinder.
Inzwischen sind es 25 Kinder.
Sie sind zwischen 4 und 16 Jahre alt.
Handball ist ein Sport mit viel Körper-Kontakt.
Auch in der B-Jugend von der HSG gibt es einige kräftige Jungen.
Die Trainer haben erlebt, wie vorsichtig diese Jungen sein können.
Sie nehmen Rücksicht auf andere.
Sie gehen freundlich und behutsam miteinander um.
Das hat Steffen Bruns sehr beeindruckt.
So läuft das Training ab
Das Motto von den Glücks-Panther lautet:
Einfach mal machen.
Am Anfang gibt es einen Begrüßungs-Kreis.
Danach wärmen sich alle auf.
Dafür gibt es einen Bewegungs-Parcours.
Das ist ein Weg mit verschiedenen Bewegungs-Aufgaben.
Aber die Kinder üben auch immer mit dem Ball.
Denn es ist Handball-Training und kein Turnen.
Manchmal landet ein Kind im Tor statt des Balls.
Das ist aber nicht schlimm.
Nach dem Parcours spielen die Kinder Handball.
Die Trainer erklären die Regeln.
Zum Beispiel erklären sie die Drei-Schritte-Regel.
Sie erklären auch, dass man nicht in den Kreis laufen darf.
Wenn ein Kind den Ball noch nicht gerade werfen kann, übt es weiter.
So lange, bis es klappt.
Nach dem Handball-Spiel gibt es eine Übung zum Abkühlen.
Die Kinder ziehen ihre Schuhe aus.
Dann machen sie Übungen zu Musik.
Zum Schluss gibt es einen Verabschiedungs-Kreis.
Das Training dauert ungefähr ein·einhalb Stunden.
Die Kinder haben unterschiedliche Beeinträchtigungen.
Manche haben eine körperliche Beeinträchtigung.
Andere haben eine geistige Beeinträchtigung.
Manche Kinder haben beides.
Einigen Kindern fehlt zum Beispiel ein Arm.
Sie können aber gut denken und lernen.
Andere Kinder haben große Schwierigkeiten beim Denken und Lernen.
Sie können sich körperlich aber gut bewegen.
Die Trainer versuchen, die Kinder mit den aktiven Jugendlichen aus der Jugend-Mannschaft zusammenzubringen.
Manche Kinder brauchen eine Person, die sich nur um sie kümmert.
Dafür braucht man genügend Personal und Trainer.
Die Idee von der Glücks-Liga kommt aus Dänemark.
In Deutschland gibt es 49 Mannschaften.
Die Glücks-Panther gehören auch zur Glücks-Liga.
Die Mannschaften spielen aber nicht regelmäßig in einer Liga gegeneinander.
Einmal im Jahr gibt es ein Turnier.
Es heißt Glücks-Cup und findet im September statt.
Die Glücks-Panther möchten daran teilnehmen.
Die Mannschaften laden sich auch gegenseitig zu Freundschafts-Spielen ein.
Bei Treffen gibt es manchmal Fragen, die man nicht erwartet.
Einmal ging es um Wurf-Übungen.
Die Trainer fragten, wer Rechts-Händer und wer Links-Händer ist.
Dann fragte jemand, warum sie das wissen wollen.
Und ob es auch Bälle für Links-Händer gibt.
Auf solche Fragen ist man nicht immer vorbereitet, sagt Steffen.
Man kann nicht alles vorher lernen.
Aber genau das macht auch den Spaß aus.
Das eigene Turnier
Ein besonderes Erlebnis war das eigene Turnier.
Im Juni von diesem Jahr Jahres haben die Glücks-Panther zwei andere Mannschaften ein·geladen nach Dudenhofen .
Mehr als 50 Kinder waren in der Halle.
Die Kinder liefen mit Fahnen in die Halle ein.
Dazu lief Musik aus den Rocky-Balboa-Filmen.
Steffen Bruns bekommt noch immer Gänsehaut, wenn er daran denkt.
Die Eltern standen auf der Tribüne.
Einige hatten Tränen in den Augen.
Auch Teams und Trainer aus dem Saarland waren dabei.
Sie möchten selbst Glücks-Mannschaften gründen.
Deshalb haben sie sich das Training bei den Glücks-Panthern angesehen.
Die Mannschaften helfen sich gegenseitig.
Am Ende bekam jedes Kind eine Medaille und eine Urkunde.
Die Glücks-Liga bezahlte dafür.
Jedes Kind bekam eine Gold-Medaille um den Hals.
Die Kinder waren sehr stolz.
Sie hatten etwas gewonnen.
Vom Rollator zum Laufen mit Ball
Besonders wichtig ist die Entwicklung von den Kindern und Jugendlichen.
Einige Kinder benutzen einen Rollator.
Ein Rollator hilft Menschen beim Gehen.
Am Anfang konnten sich manche Kinder ohne Rollator kaum bewegen.
Sie konnten auch nicht ohne Rollator rennen.
Wenn sie fielen, brauchten sie den Rollator, um wieder aufzustehen.
Inzwischen können diese Kinder auch ohne Rollator laufen.
Sie können sogar kurze Strecken rennen.
Auch andere Kinder haben sich verändert.
Am Anfang hielten sie sich ganz eng an ihrer Mutter oder ihrem Vater fest.
Sie wollten nur zuschauen.
Sie wollten sich nicht bewegen und nicht mit·machen.
Doch dann kam der Ball ins Spiel.
Ein Ball kann vieles verändern.
Steffen Bruns erinnert sich an einen kleinen Jungen.
Er gab dem Jungen einfach einen Ball in die Hand.
Dann sagte er: Geh auf das Spielfeld!
Der Junge schaute ihn an.
Dann nahm er den Ball und machte mit.
Seine Mutter war überwältigt.
Was haben Vereine davon?
Ein Verein kann durch inklusiven Sport einen guten Eindruck machen.
Für Steffen Bruns ist aber etwas anderes viel wichtiger:
Vereine sollen Sport für alle anbieten.
Kinder und Jugendliche sollen gemeinsam Sport machen können.
Steffen Bruns möchte nicht in der Zeitung stehen.
Er möchte, dass die Kinder eineinhalb Stunden Sport machen.
Sie sollen gemeinsam aktiv sein können.
Und sie sollen so sein dürfen, wie sie sind.
Viele Kinder kommen aus anderen Vereinen.
Sie haben zum Beispiel Fußball, Handball oder Basketball gespielt.
Mit zunehmendem Alter werden diese Sport-Arten oft körperlicher.
Auch der Ehrgeiz wird größer.
Manche Kinder können dann nicht mehr mithalten.
Die Glücks-Panther bieten diesen Kindern eine andere Möglichkeit.
Sie können gemeinsam trainieren.
Steffen Bruns möchte die Kinder nicht verändern.
Er besteht zum Beispiel nicht darauf, dass jedes Kind immer alle Regeln einhält.
Wenn ein Kind in den Kreis läuft, ist das eben so.
Auch, wenn es nicht erlaubt ist.
Diese Mischung macht den Unterschied.
Ein normaler Fußball-Verein kann so etwas in seinem üblichen Sport-Angebot oft nur schwer anbieten, sagt Steffen.
Es gibt aber auch Kinder, die sich durch das Training so gut entwickelt haben, dass sie wieder in einer normalen Mannschaft mitspielen können.
Das ist bei ein oder zwei Kindern gelungen.
Für die Glücks-Panther ist das ein großer Erfolg.
Die Kinder waren beim Handball so gut geworden, dass jemand aus einer anderen Mannschaft sagte:
Diese Kinder möchte ich in meiner Mannschaft haben.
Was wünschen wir uns für die Zukunft?
Viele Vereine finden die Idee gut.
Sie sehen, dass es einen großen Bedarf gibt.
Trotzdem fangen sie oft nicht damit an.
Das findet Steffen Bruns schade.
Denn viele Familien suchen solche Angebote.
Manche Eltern fahren eine Stunde oder sogar eineinhalb Stunden zum Training.
Die größte Motivation ist für Steffen Bruns aber etwas anderes.
Er sieht, wie Freundschaften entstehen.
Er sieht, wie die Kinder und Jugendlichen miteinander umgehen.
Und er sieht, wie sie sich körperlich und geistig weiterentwickeln.
Außerdem möchten die Glücks-Panther eine Mannschaft für Erwachsene gründen.
Diese Mannschaft soll bei Special Olympics mitmachen können.
Dort gibt es Wettbewerbe für Erwachsenen-Mannschaften.
Die Glücks-Panther wollen jetzt die Grundlage dafür schaffen.
So könnte auch eine Mannschaft aus der Pfalz entstehen.
Die Bewerbung für den Preis
Die Glücks-Panther haben sich für den Preis beworben.
Sie fanden die Aktion gut.
Die Bewerbung war auch eine Möglichkeit, das Projekt bekannter zu machen.
So können sie weitere Unterstützer und Sponsoren finden.
Mit dem Preis-Geld wollen sie neue Ausrüstung kaufen.
Einige Bälle sind inzwischen kaputt.
Sie müssen ersetzt werden.
Außerdem machen inzwischen Menschen mit, die einen Rollstuhl benutzen.
Für sie ist ein normaler Bewegungs-Parcours nicht immer geeignet.
Zum Beispiel können sie nicht mit dem Rollstuhl über eine Matte springen.
Es gibt aber besondere Hindernisse und Parcours für Rollstuhl-Fahrer.
Die Glücks-Panther möchten solche Geräte kaufen.
Dafür sparen sie Geld.
So können auch Menschen im Rollstuhl gut mitmachen.
Der Mitglieds-Beitrag beträgt 60 Euro im Jahr.
Mit diesem Geld können die Glücks-Panther nur wenig kaufen.
Sie brauchen auch immer wieder T-Shirts und Trikots.
Für einen Spiel-Tag braucht man außerdem eine Hose zum Trikot.
All das kostet viel Geld.
Deshalb ist Steffen Bruns sehr dankbar für jeden Euro, den die Glücks-Panther bekommen haben.
Herzlichen Glückwunsch!
TACHELES bedankt sich bei Steffen Bruns für das Gespräch.
Wir gratulieren den Glücks-Panthern Dudenhofen-Schifferstadt noch einmal herzlich zum Preis.
Die Gewinner des Karl-Heinz-Thommes-Preises 2026:
die Glückspanther Dudenhofen-Schifferstadt
und der WSV Sinzig Wassahr.
Herzlichen Glückwunsch!
Wir konnten die Glückspanther zum Gespräch gewinnen. Sie sind einer von zwei Gewinner-Vereinen dieses Jahr beim Karl-Heinz-Thommes-Preis von Special Olympics Rheinland-Pfalz. Der Preis wird einmal jährlich durch den Landesverband vergeben an Vereine, Projekte oder Menschen, die sich besonders für Inklusion und Teilhabe eingesetzt haben. Er ist mit 1000€ dotiert.
Für das Team haben wir mit Organisator Steffen Bruns gesprochen. Dieser hat uns das Projekt präsentiert und auch über die Schwierigkeiten und die Preisverleihung erzählt:
Die Anfänge der Glücks-Idee
Tach, ich bin der Steffen Bruns. Ich bin schon lange bei Special Olympics unterwegs, bestimmt schon zehn bis fünfzehn Jahre. Mein alter Arbeitgeber war dort Sponsor und hat Volunteers gesucht. Ich habe mich also als freiwilliger Helfer engagiert.
Dann hat mein Sohn mit Handball angefangen. Ich hatte schon immer die Idee, diese Leidenschaft für Special Olympics und die meines Sohnes für Handball miteinander zu verknüpfen. Es ist einfach ein supertoller Sport. Ich wollte auch den Kindern und Jugendlichen ohne Beeinträchtigung den Kontakt zu Kids mit Beeinträchtigung ermöglichen, damit sie diese Welt kennenlernen können und Erfahrungen sammeln, wie es dort zugeht.
Deshalb haben wir mit dem Handballverband, mit Special Olympics und mit der Glücksliga im September 2023 einen Inklusionstag organisiert. Die Glücksliga ist eine inklusive Handball-Liga. Auch die Gehörlosen-Nationalmannschaft war da. An diesem Tag entstand eine ganz besondere Atmosphäre: Die Jugendlichen gingen mit einem Lächeln aus der Halle. Die Eltern waren begeistert.
Wir hatten einen offiziellen Schiedsrichter aus der Bundesliga da. Er wurde sogar umarmt. Er sagte zu mir, er sei schon bespuckt, bedroht, geschlagen und getreten worden, sein Auto sei zerkratzt worden. Aber umarmt worden sei er noch nie.
Die Gründung der Glückspanther
Im Juni 2025 habe ich dann gesagt: Wir müssen etwas machen! Ich möchte bei der HSG Dudenhofen–Schifferstadt ein Glücksteam bilden.
Natürlich gibt es Herausforderungen: Du brauchst Trainer und eine Halle. Hallenzeiten sind ein großes Thema, viele Vereine wollen sie nutzen.
Und du brauchst Geld. Du musst zum Beispiel Bälle kaufen. Das erste Equipment, das wir gekauft haben, hat ungefähr 1000€ gekostet. Ein Freund von mir hat das allein finanziert. Das ganze erste Geld für die Glückspanther kam aus meinem privaten Umfeld.
Wir mussten auch viel Werbung machen. Du brauchst Flyer und Poster, gehst in die Schulen und musst bekannt werden. Geholfen hat uns, dass zwei von uns, Jana und ich, bei den Glücksfüchsen in Mutterstadt hospitieren. Wir unterstützen sie, weil sie deutlich weniger Trainer haben als wir. Wir springen ein und helfen. Dadurch konnten wir lernen: Wie gehen wir mit den Handballern um? Wie können wir das Training gestalten? Außerdem wurden wir in der Region etwas bekannter.
Wir haben mit vier Kindern angefangen. Mit vier! Ich hatte mehr Trainer als Kinder. Jetzt sind wir 25, im Alter zwischen 4 und 16 Jahren.
Handball ist ein Sport mit viel Körperkontakt. Auch in unserer B-Jugend haben wir ein paar kräftige Jungs. Dann haben wir gemerkt, wie viel Rücksicht sie plötzlich nehmen können, wie zart sie sein können und wie sie miteinander umgehen. Das war sehr beeindruckend.
So läuft das Training ab
Das Motto: Einfach mal machen.
Zur Begrüßung haben wir immer einen Begrüßungskreis. Zum Aufwärmen machen wir einen Bewegungs-Parcours. Wir machen aber immer auch etwas mit dem Ball. Es ist Handballtraining, kein Turnen. Manchmal landet dann auch das Kind im Tor und nicht der Ball. Aber das macht ja nichts.
Nach dem Parcours machen wir ein Handballspiel. Wir erklären Regeln wie die Drei-Schritte-Regel und dass man nicht in den Kreis laufen darf. Wenn der Ball noch nicht geradeaus fliegt, probieren wir es, bis es funktioniert.
Nach dem Handballspiel machen wir noch eine Abwärmübung. Wir ziehen die Schuhe aus und machen Übungen zu Musik.
Dann machen wir einen Verabschiedungskreis. Damit sind die rund eineinhalb Stunden auch schon vorbei.
Wir haben Kinder mit körperlich und/oder geistiger Beeinträchtigung. Das ist eine sehr interessante Mischung. Wir haben Kinder, denen ein Arm fehlt, die geistig aber komplett fit sind. Andere Kinder sind geistig sehr eingeschränkt, können aber körperlich alles. Das versuchen wir mit unseren aktiven Spielerinnen und Spielern aus der Jugend zu kombinieren. Manche Kinder brauchen tatsächlich eine Eins-zu-eins-Betreuung. Dafür brauchst du Personal und Trainer.
Die Idee der Glücksliga kommt aus Dänemark. In Deutschland gibt es 49 Mannschaften. Wir haben uns dort aufnehmen lassen und gehören auch zur Glücksliga. Wir haben aber keinen Ligabetrieb, bei dem wir regelmäßig gegeneinander spielen. Aber es gibt dieses jährliche Turnier, den Glücks-Cup im September, an dem wir teilnehmen wollen. Und man lädt sich gegenseitig zu Freundschaftsspielen ein.
Wir waren auch schon mal auf einem Termin und haben wegen der Wurfübungen gefragt, wer Rechts- und wer Linkshänder ist. Dann kam die Frage, warum wir das wissen wollen und ob es auch Bälle für Linkshänder gibt. Auf so eine Frage ist man nicht vorbereitet. Solche Dinge kann man nicht vorher lernen. Aber so etwas kommt dann eben und das macht auch den Spaß aus.
Das eigene Turnier
Dann hatten wir ein absolutes Highlight: Wir haben ein Turnier organisiert. Im Juni dieses Jahres haben wir in Dudenhofen zwei weitere Mannschaften eingeladen. Wir hatten über 50 Kinder in der Halle. Wir haben sie mit Fahnen und mit Rocky-Balboa-Musik einlaufen lassen. Ich bekomme jetzt noch Gänsehaut. Die Eltern standen auf der Tribüne und hatten Tränen in den Augen.
Es waren auch Teams und Trainer aus dem Saarland da, die Glücksteams aufbauen möchten und bei uns hospitiert haben. Man hilft sich gegenseitig.
Anschließend hat jedes Kind eine Medaille und eine Urkunde bekommen, finanziert durch die Glücksliga. Jedes Kind bekam eine Goldmedaille um den Hals und war megastolz, etwas gewonnen zu haben.
Vom Rollator zum Laufen mit Ball
Wichtig ist die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen. Wir haben zum Beispiel Kinder mit Rollatoren. Am Anfang hieß es, sie könnten sich ohne den Rollator gar nicht bewegen und nicht ohne ihn rennen. Wenn sie hinfallen, brauchen sie das Gerät, um wieder aufzustehen.
Mittlerweile haben wir erreicht, dass sie Phasen ohne Rollator haben und ohne das Gerät rennen können.
Wir haben Kinder, die am Anfang am Bein ihrer Mutter oder ihres Vaters geklebt haben. Es hieß: Wir schauen uns das nur an, aber bewegen werden wir uns nicht und mitmachen auch nicht.
Ganz im Gegenteil: Ein Ball kann viele Probleme lösen. Ich erinnere mich an einen kleinen Jungen. Ich habe ihm einfach den Ball in die Hand gedrückt: Hier, ab auf die Platte, aufs Spielfeld! Er schaute – hat den Ball genommen und war mittendrin. Die Mutter war überwältigt.
Der Vorteil für Vereine
Man könnte sagen, dass es ein positives Bild vom Verein vermittelt, wenn er inklusiv unterwegs ist. Viel wichtiger finde ich aber, dass man inklusiven Sport anbietet und mit den Kindern und Jugendlichen gemeinsam Sport macht. Ich arbeite nicht für Schlagzeilen in der Zeitung. Ich arbeite dafür, dass die Kinder anderthalb Stunden Sport machen, miteinander aktiv sein und so sein können, wie sie sind.
Wir haben viele Kinder, die aus anderen Vereinen kommen: Fußball, Handball oder Basketball werden ab einem gewissen Alter körperlicher und sehr ehrgeizig. Da können manche nicht mithalten.
Wir bieten ihnen einen Zeitraum und eine Trainingseinheit. Ich verbiege sie nicht. Ich will nicht hundertmal darauf bestehen, dass jemand nicht in den Kreis läuft. Wenn dann einer hineinläuft, läuft er eben hinein. Diese Mischung macht den Unterschied. Das kann ein normaler Fußballverein im regulären Angebot nur schwer leisten.
Wir müssen aber auch erwähnen, dass wir durch das Training schon ein oder zwei Kinder wieder in eine normale Mannschaft integrieren konnten. Das ist ein riesiger Erfolg. Sie waren im Handball so gut, dass jemand aus einer anderen Mannschaft kam und sagte: „Die will ich haben.“
Der Blick nach vorne
Viele Vereine haben Interesse, machen aber diesen Schritt – einfach mal machen – nicht. Sie finden es toll und sehen den Bedarf. Aber die Aktivität kommt dann meistens nicht. Das ist schade, denn der Bedarf ist groß. Die Eltern fahren teilweise eine oder anderthalb Stunden zu uns zum Training.
Wenn man dann aber sieht, wie Freundschaften entstehen, wie die Kinder und Jugendlichen miteinander umgehen und sich körperlich und geistig weiterentwickeln, ist das für uns die größte Motivation.
Wir haben außerdem die Idee, eine Erwachsenenmannschaft für Special Olympics zu bilden. Dort gibt es Wettbewerbe für Erwachsenenmannschaften. Dafür wollen wir jetzt die Basis schaffen, auch für eine Pfälzer Mannschaft.
Die Bewerbung für den Preis und was mit dem Preisgeld passiert
Wir haben uns einfach mal beworben, weil es eine schöne Aktion ist. Es war für uns eine schöne Möglichkeit, uns bekannt zu machen und weitere Unterstützer und Sponsoren zu finden. Mit dem Preisgeld werden wir Equipment kaufen. Mittlerweile sind zum Beispiel Bälle kaputtgegangen, die wir ersetzen müssen.
Außerdem haben wir inzwischen zwei oder drei Rollifahrer. Wenn wir einen Parcours aufbauen, ist es für einen Rollifahrer unmöglich, über eine Matte zu springen, klar. Es gibt spezielle Hindernisse und Parcours-Aufbauten für Rollstuhlfahrer. Darauf sparen wir, damit wir auch ihnen etwas anbieten können.
Der Mitgliedsbeitrag ist 60€ im Jahr. Damit können wir noch nicht viel kaufen.
Ansonsten brauchen wir immer T-Shirts und Trikots. Für einen Spieltag kommen Trikot und Hose dazu. Man glaubt gar nicht, wie viel Geld das alles kostet. Deshalb bin ich unendlich dankbar für jeden Euro, den ich bekommen habe.
TACHELES bedankt sich bei Steffen Bruns für das Gespräch und sagt noch mal herzlichen Glückwunsch an die Glückspanther Dudenhofen-Schifferstadt!


