inklusives Paddeln: Projekt „WassAhr“ gewinnt Inklusions-Preis
Das Projekt „WassAhr„
vom Wasser-Sport-Verein Sinzig
und die Glücks-Panther Dudenhofen-Schifferstadt
haben einen Preis ge·wonnen.
Der Preis heißt: Karl-Heinz-Thommes-Preis.
Er wird von Special Olympics Rheinland-Pfalz ver·geben.
Herzlichen Glückwunsch!
Jedes Jahr bekommen Vereine, Projekte oder Menschen diesen Preis.
Sie setzen sich besonders für Inklusion und Teilhabe ein.
Das bedeutet: Alle Menschen sollen mitmachen können.
Das Preis-Geld ist bis zu ein-tausend Euro.
Wir haben mit Frauke Weller gesprochen.
Sie organisiert das Projekt WassAhr.
Sie hat auch über die Chancen von Inklusion und die Preis-Verleihung gesprochen.
Unten steht der Text auch in Schwerer Sprache.
Über die Vor·lese-Funktion kann man sich den Text vor·lesen lassen.
Den Text zu den Glücks-Panthern (Hand-Ball) lest ihr hier.
TACHELES:
Tach von TACHELES!
Hallo, Frau Weller.
Sie sind vom Wasser-Sport-Verein Sinzig.
Und Sie machen beim Projekt WassAHR mit.
Bitte erzählen Sie uns:
Was ist das Projekt WassAHR?
Frauke Weller:
Unser Projekt heißt:
WassAHR positiv erfahren – Vielfalt verbindet.
Das Projekt ist ein Angebot für Wasser-Sport.
Bei uns können Menschen mit und ohne Behinderung zusammen paddeln.
Und Menschen in jedem Alter.
Paddeln bedeutet:
Man sitzt in einem Boot.
Mit einem Paddel bewegt man das Boot durch das Wasser.
Wir haben das Projekt nach der großen Flut im Ahrtal gegründet.
Bei uns können die Menschen herausfinden:
Was kann ich gut?
Und was möchte ich noch lernen?
Vor 2 Jahren haben wir auch ein eigenes Special Olympics Team gegründet.
Special Olympics ist eine Sport-Organisation für Menschen mit geistiger Behinderung.
In unserem Team trainieren Menschen mit geistiger Behinderung.
Sie trainieren zusammen mit anderen Sportlern und Sportlerinnen.
Dabei können alle besser im Sport werden.
Aber uns ist noch mehr wichtig als der Sport.
Zum Beispiel:
Alle sollen dazu gehören.
Alle sollen sich gegenseitig helfen.
Alle sollen mehr an sich selbst glauben.
Alle sollen selbst entscheiden können.
Und alle sollen überall mitmachen können.
TACHELES:
Ihr Verein hat dieses Jahr den Karl-Heinz-Thommes-Preis gewonnen.
Auch ein anderer Verein hat den Preis gewonnen.
Der Preis ist von Special Olympics Rheinland-Pfalz.
Special Olympics Rheinland-Pfalz vergibt den Preis einmal im Jahr.
Der Preis ist für Vereine:
Diese Vereine tun besonders viel für Inklusion.
Inklusion bedeutet:
Alle Menschen können dabei sein.
Menschen mit und ohne Behinderung können gemeinsam etwas machen.
Und alle können mitbestimmen.
Herzlichen Glückwunsch zum Preis!
Heute sprechen wir mit Ihnen über den Preis.
Und über Ihr Projekt.
Wie sind Sie auf die Idee gekommen:
Menschen mit und ohne Behinderung sollen zusammen paddeln?
Frauke Weller:
Die Idee ist in unserem Verein entstanden.
In unserer Jugend-Gruppe paddeln schon lange junge Menschen mit und ohne Behinderung zusammen.
Auch manche Trainer und Trainerinnen bei uns haben eine Behinderung.
Oder sie haben eine Krankheit.
Diese Krankheit haben sie schon sehr lange.
Auch bei manchen Begleit-Personen ist das so.
Für uns ist Inklusion deshalb ganz normal.
Menschen mit und ohne Behinderung machen bei uns schon lange gemeinsam Sport.
Wir wollten deshalb:
Noch mehr Menschen sollen bei uns mitmachen können.
Heute paddeln bei uns Menschen in jedem Alter zusammen.
Menschen mit und ohne Behinderung.
Uns ist wichtig:
Wir reden nicht nur über Inklusion.
Wir machen Inklusion jeden Tag zusammen.
TACHELES:
Wie sorgen Sie dafür:
Alle Menschen können bei Ihnen paddeln?
Frauke Weller:
Bei uns sollen möglichst alle Menschen mitmachen können.
Es ist egal:
Wie alt ein Mensch ist.
Ob ein Mensch eine Behinderung hat.
Ob ein Mensch eine Krankheit hat.
Oder ob ein Mensch besondere Hilfe braucht.
Wir sprechen mit den Menschen.
Wir fragen zum Beispiel:
Was brauchen Sie beim Paddeln?
Wie fühlen Sie sich auf dem Wasser sicher?
Manche Menschen brauchen besondere Boote.
Andere Menschen brauchen kleine Hilfs-Mittel.
Wir helfen uns auch gegenseitig.
Und wir haben ein Buddy-System.
Ein Buddy ist eine Begleit-Person.
Diese Person kennt sich gut mit dem Paddeln aus.
Sie kann anderen Menschen beim Paddeln helfen.
Bei uns paddeln Menschen mit und ohne Behinderung zusammen.
Sie lernen zusammen.
Und sie erleben zusammen schöne Dinge.
Dabei ist uns wichtig:
Wir passen den Sport an die Menschen an.
Jeder Mensch hat eigene Ziele.
Jeder Mensch darf selbst entscheiden:
Was möchte ich machen?
Was traue ich mir zu?
Alle Menschen können voneinander lernen.
Denn jeder Mensch weiß selbst am besten:
Was kann ich gut?
Und welche Hilfe brauche ich?
TACHELES:
Sie haben sich für den Karl-Heinz-Thommes-Preis beworben.
In Ihrer Bewerbung haben Sie geschrieben:
Menschen mit Behinderung sollen sich bei Ihnen nicht nur wie Menschen fühlen, die Hilfe brauchen.
Sie sollen sich auch als Sportler und Sportlerinnen fühlen.
Und als Fach-Leute.
Das bedeutet:
Sie haben selbst viel Wissen.
Und sie sollen helfen:
Neue Ideen für Inklusion zu entwickeln.
Warum ist Ihnen das so wichtig?
Frauke Weller:
Menschen mit Behinderung brauchen manchmal Hilfe.
Aber sie haben auch selbst viel Wissen.
Und sie haben viel Erfahrung.
Außerdem können sie viele Dinge gut.
Menschen mit Behinderung wissen selbst am besten:
Was brauche ich?
Was kann ich gut?
Und was möchte ich erreichen?
Deshalb wollen wir unsere Angebote zusammen mit Menschen mit Behinderung planen.
Wir wollen nicht einfach über Menschen mit Behinderung entscheiden.
Sondern wir wollen gemeinsam mit ihnen entscheiden.
Und gemeinsam etwas verändern.
Das bedeutet für uns echte Inklusion.
TACHELES:
Beim Paddeln haben Sie ein Buddy-System.
Das bedeutet:
Es gibt Begleit-Personen beim Paddeln.
Diese Personen kennen sich gut aus.
Sie heißen Buddys.
Sie bilden diese Buddys auch aus.
Dabei lernen die Buddys viel über Inklusion.
Wie funktioniert diese Ausbildung?
Frauke Weller:
Wir möchten:
Jeder Mensch kann Buddy werden.
Alle Buddys sollen gut auf ihre Aufgaben vorbereitet sein.
Und alle sollen sich dabei sicher fühlen.
Denn jeder Mensch kann etwas gut.
Und jeder Mensch kann etwas Neues lernen.
Alle sollen bei uns mitmachen können.
Und alle sollen Teil von unserer Gemeinschaft sein.
In diesem Jahr waren wir in Schottland und England.
Dort haben wir mit anderen Menschen gesprochen.
Diese Menschen bieten schon seit vielen Jahren Ausbildungen für Menschen mit und ohne Behinderung an.
Wir haben von ihnen gelernt.
Jetzt planen wir eine neue Ausbildung für unsere Buddys.
Dabei helfen uns Fach-Leute.
Das sind Menschen mit viel Wissen und Erfahrung.
Und Menschen mit Behinderung helfen uns bei der Planung.
Die Ausbildung soll mehrere Stufen haben.
Die erste Stufe soll einfach sein.
Möglichst alle Menschen sollen diese Stufe schaffen können.
Danach können die Buddys noch mehr lernen.
Und sie können neue Aufgaben übernehmen.
So können die Buddys immer mehr Erfahrung sammeln.
TACHELES:
Paddeln findet auf dem Wasser statt.
Auf dem Wasser kann es gefährlich sein.
Wie sorgen Sie beim Paddeln für Sicherheit?
Frauke Weller:
Sicherheit ist uns besonders wichtig.
Deshalb habe ich im Frühling vom letzten Jahr einen Kurs entwickelt.
Dabei hat mir Ralf Schneider geholfen.
Ralf Schneider arbeitet beim Deutschen Kanu-Verband.
Dort kümmert er sich um Inklusion beim Freizeit-Sport.
Unser Kurs heißt:
Sicherheit inklusive.
Wir möchten:
Alle Menschen sollen beim Wasser-Sport das Gleiche über Sicherheit lernen können.
Alle sollen wissen:
Wie verhalte ich mich auf dem Wasser?
Und was mache ich bei Gefahr?
Alle sollen sich auf dem Wasser sicher fühlen.
Unsere Sportler und Sportlerinnen von Special Olympics haben gezeigt:
Das klappt gut.
Sie haben bei unserem Anfänger-Kurs mitgemacht.
In diesem Kurs waren Menschen mit und ohne Behinderung.
Manchmal gab es schwierige Situationen.
Aber unsere Sportler und Sportlerinnen sind ruhig geblieben.
Und sie haben sicher und richtig gehandelt.
Darauf sind wir sehr stolz!
Wir hoffen:
Special Olympics bietet diesen Kurs bald in ganz Deutschland an.
Dann können noch mehr Menschen lernen:
So verhalte ich mich sicher auf dem Wasser.
TACHELES:
Sie haben auch das Netzwerk Paddeln für Alle gegründet.
Ein Netzwerk ist eine Gruppe von Menschen.
Diese Menschen arbeiten zusammen.
Sie tauschen ihr Wissen aus.
Und sie helfen sich gegenseitig.
Bei Ihrem Netzwerk machen verschiedene Vereine mit.
Wie funktioniert das Netzwerk?
Frauke Weller:
Unser Netzwerk Paddeln für Alle gibt es inzwischen in ganz Deutschland.
Wir arbeiten dabei mit dem Deutschen Kanu-Verband zusammen.
Auch Ralf Schneider hilft uns.
Er plant und organisiert die Arbeit im Netzwerk mit.
In unserem Netzwerk treffen sich verschiedene Menschen.
Zum Beispiel:
Menschen aus Sport-Vereinen.
Menschen, die Paddel-Kurse leiten.
Menschen mit Behinderung.
Und Menschen ohne Behinderung.
Wir erzählen uns von unseren Erfahrungen.
Wir lernen voneinander.
Und wir planen gemeinsam neue Angebote.
Dabei ist uns wichtig:
Das Netzwerk ist für alle Menschen da.
Und alle Menschen sollen im Netzwerk mitarbeiten können.
Wir wollen auch Fach-Leute zusammenbringen.
Diese Menschen haben viel Wissen.
Sie sollen ihr Wissen an andere Menschen weitergeben.
Dafür planen wir Schulungen.
Bei diesen Schulungen lernen die Menschen zum Beispiel:
Wie kann ich mein Wissen an andere Menschen weitergeben?
Bei unserer nächsten Schulung gibt es 10 Plätze extra für Sportlerinnen von Special Olympics.
Die Sportlerinnen kommen aus ganz Deutschland.
Denn wir finden:
Alle Menschen sollen mitmachen können.
Und alle sollen mitentscheiden können.
Wir arbeiten auch mit Menschen aus anderen Ländern zusammen.
Zum Beispiel mit Menschen aus England.
Wir wollen zusammen neue Projekte planen.
Auch in anderen Ländern in Europa.
TACHELES:
Warum haben Sie sich für den Karl-Heinz-Thommes-Preis von Special Olympics Rheinland-Pfalz beworben?
Frauke Weller:
Wir sind sehr stolz auf unser Special Olympics Team.
Unsere Sportler und Sportlerinnen machen sehr viel für den Verein.
Auch unsere Trainer und Trainerinnen helfen sehr viel.
Und unsere Begleit-Personen.
Alle machen das in ihrer Freizeit.
Und alle machen das mit viel Freude.
Zusammen schaffen wir sehr viel.
Deshalb wollten wir:
Noch mehr Menschen sollen unsere Arbeit sehen.
Und noch mehr Menschen sollen sehen:
Unser Team leistet wichtige Arbeit.
Wir freuen uns sehr über den Preis.
Denn der Preis zeigt uns:
Andere Menschen finden unsere Arbeit gut und wichtig.
Deshalb stehen bei der Preis-Verleihung auch unsere Sportler und Sportlerinnen auf der Bühne.
Und die anderen Menschen aus unserem Team.
Denn unser Team sorgt jeden Tag dafür:
Inklusion funktioniert bei uns.
Dafür hat unser Team viel Applaus verdient!
TACHELES:
Für den Karl-Heinz-Thommes-Preis bekommen Sie auch Geld.
Das Preis-Geld sind 1.000 Euro.
Was machen Sie mit dem Geld?
Frauke Weller:
Mit dem Geld wollen wir unser Special Olympics Team noch besser machen.
Wir wissen aber noch nicht genau:
Was machen wir mit dem Geld?
Das wollen wir gemeinsam entscheiden.
Wir haben noch viele Ideen.
Und wir freuen uns auf neue Aufgaben im nächsten Jahr.
Wir möchten auch den anderen Menschen und Vereinen gratulieren.
Sie haben ebenfalls einen Preis bekommen.
Es ist schön zu sehen:
Viele Menschen helfen anderen Menschen.
Und viele Menschen machen sich für andere stark.
Durch die Preise sehen noch mehr Menschen diese wichtige Arbeit.
TACHELES:
TACHELES gratuliert noch einmal ganz herzlich!
Wir wünschen dem Wasser-Sport-Verein Sinzig und dem Projekt WassAHR alles Gute.
Und vielen Dank für das Gespräch, Frau Weller!
Die Gewinner des Karl-Heinz-Thommes-Preises 2026:
die Glückspanther Dudenhofen-Schifferstadt
und der WSV Sinzig Wassahr.
Herzlichen Glückwunsch!
Wir konnten auch WassAhr zum Gespräch gewinnen. Sie sind einer von zwei Gewinner-Vereinen dieses Jahr beim Karl-Heinz-Thommes-Preis von Special Olympics Rheinland-Pfalz. Der Preis wird einmal jährlich durch den Landesverband vergeben an Vereine, Projekte oder Menschen, die sich besonders für Inklusion und Teilhabe eingesetzt haben. Er ist mit 1000€ dotiert.
Für das Team haben wir mit Frauke Weller gesprochen. Sie hat uns das Projekt präsentiert und auch über die Chancen von Inklusion und die Preisverleihung erzählt:
Tach von TACHELES!
Tach Frauke Weller.
Sie sind vom Wasser-Sport-Verein Sinzig und dem Projekt WassAhr.
Bitten stellen Sie uns das mal kurz in ein paar Worten vor.
„WassAHR positiv erfahren – Vielfalt verbindet“ ist ein inklusives Wassersportprojekt, das nach der Flutkatastrophe im Ahrtal entstanden ist. Bei uns können Menschen jeden Alters, mit und ohne Behinderung, gemeinsam paddeln und ihre eigenen Stärken entdecken. Vor zwei Jahren haben wir zudem unser eigenes Special Olympics Team gegründet, in dem Menschen mit geistiger Behinderung zusammen mit anderen Sportlern gemeinsam trainieren und ihre sportlichen Fähigkeiten weiterentwickeln. Dabei geht es nicht nur um Sport, sondern vor allem um Gemeinschaft, gegenseitige Unterstützung, Selbstvertrauen, Selbstbestimmung und Teilhabe für alle.
Sie sind dieses Jahr einer von zwei Vereinen, die gewonnen haben beim Karl-Heinz-Thommes-Preis. Das ist ein Preis von Special Olympics Rhein·land-Pfalz. Er wird ein·mal im Jahr ver·geben. Er geht an Vereine, die sich ganz besonders um Inklusion kümmern. Zuerst mal: Herzlichen Glückwunsch!
Wir wollen heute mit Ihnen reden über den Preis und über das Projekt.
Wie kamen Sie auf die Idee, inklusives Paddeln anzubieten?
Die Idee zum inklusiven Paddeln entwickelte sich aus unserem Vereinsleben. Schon in unserer Jugendgruppe paddelten junge Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam. Auch einige unserer Trainer*innen und Betreuer*innen leben selbst mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen. Für uns war Inklusion deshalb nie etwas Besonderes, sondern gelebter Alltag. Daraus ein Angebot für noch mehr Menschen zu entwickeln, war der nächste logische Schritt.
Heute bringen wir Menschen jeden Alters, mit und ohne Behinderung, aufs Wasser. Denn Inklusion funktioniert am besten, wenn man sie nicht nur fordert, sondern gemeinsam lebt.
Auf welche Art ist Paddeln bei Ihnen inklusiv?
Bei uns bedeutet inklusives Paddeln, dass jeder Mensch mitmachen kann – unabhängig von Alter, Behinderung, chronischer Erkrankung oder persönlichen Voraussetzungen. Wir schauen gemeinsam, was jeder Mensch braucht, um sich auf dem Wasser wohl und sicher zu fühlen. Dabei helfen angepasste Boote, kleine Hilfsmittel, gegenseitige Unterstützung und unser Buddy-System (Redaktion: Erklärung folgt unten). Menschen mit und ohne Behinderung paddeln, lernen und erleben gemeinsam.
Bei uns muss sich nicht der Mensch an den Sport anpassen. Wir gestalten den Sport so, dass möglichst alle mitmachen können. Jede Person darf eigene Ziele verfolgen, Stärken entdecken und selbst entscheiden, was sie sich zutraut. Dabei lernen wir alle voneinander – denn jeder Mensch kennt sich selbst am besten.
Sie haben auch in Ihrer Preis-Bewerbung ge·schrieben:
Menschen mit Beeinträchtigung sollen sich nicht fühlen wie jemand mit Betreuungs-Bedarf, sondern wie Athletinnen, Experten und Inklusions-Entwickler. Warum ist diese Sicht-Weise so wichtig?
Weil Menschen mit Behinderung nicht nur Unterstützung brauchen, sondern selbst unglaublich viel Wissen, Erfahrung und Können mitbringen. Sie wissen am besten, was sie brauchen, was sie können und was sie erreichen möchten. Deshalb wollen wir nicht nur Angebote für sie machen, sondern sie gemeinsam mit ihnen entwickeln. Denn echte Inklusion bedeutet für uns: nicht über Menschen entscheiden, sondern gemeinsam mit ihnen etwas bewegen.
Beim Paddeln haben Sie ein Buddy-System. Das heißt: Es gibt Begleit-Personen,
die sich gut aus·kennen. Diese nennt man Buddy. Sie bilden diese Buddys auch aus für Inklusion. Wie funktioniert diese Ausbildung?
Wir möchten, dass jeder Mensch Buddy werden kann und sich dabei gut vorbereitet und sicher fühlt. Denn jeder bringt eigene Stärken mit, und jeder soll die Möglichkeit haben, sich einzubringen, dazuzulernen und Teil unserer Gemeinschaft zu werden. Dafür waren wir dieses Jahr in Schottland und England und haben uns mit Menschen ausgetauscht, die seit vielen Jahren inklusive Ausbildungen anbieten.
Gemeinsam mit erfahrenen Fachleuten und Menschen mit Behinderung entwickeln wir die Ausbildung deshalb gerade neu. Sie soll aus mehreren Stufen bestehen: vom einfachen Einstieg, den alle schaffen können, bis hin zu weiteren Qualifikationen, bei denen man mit seinen Erfahrungen wächst.
Paddeln ist auf dem Wasser. Das kann gefährlich sein. Wie sorgen Sie beim inklusiven Paddeln für Sicherheit?
Sicherheit ist für uns besonders wichtig. Deshalb habe ich im Frühjahr letzten Jahres gemeinsam mit Ralf Schneider, aktuell Referent für Inklusion im Freizeitsport beim Deutschen Kanuverband, den Kurs „Sicherheit inklusive“ entwickelt. Unser Ziel ist, dass alle Menschen im Wassersport die gleichen Sicherheitskenntnisse erwerben und sich auf dem Wasser sicher fühlen können.
Wie gut das funktioniert, haben unsere Special Olympics Athlet*innen gezeigt. Bei unserem inklusiven Anfängerkurs haben sie in schwierigen Situationen souverän und sicher reagiert. Darauf sind wir unglaublich stolz! Wir hoffen, dass dieses Pilotprojekt deutschlandweit bei Special Olympics umgesetzt wird.
Sie haben auch das Netzwerk „Paddeln für alle“ gegründet zum Austausch mit anderen Vereinen. Wie funktioniert das?
Unser Netzwerk „Paddeln für Alle“ ist mittlerweile deutschlandweit vertreten und wird über den Deutschen Kanu-Verband gemeinsam mit dem Referenten Schneider weiterentwickelt und koordiniert.
Wir bringen Vereine, Trainer*innen und Menschen mit und ohne Behinderung zusammen, damit wir voneinander lernen, Erfahrungen teilen und gemeinsam neue Angebote schaffen. Unser Ziel ist ein Netzwerk aus der Community, für die Community. Dafür bauen wir ein Expertennetzwerk auf und planen Schulungen für Menschen, die ihr Wissen weitergeben möchten. Bei unserer nächsten Multiplikatorenschulung sind zehn Plätze ausdrücklich für Special Olympics Athletinnen aus ganz Deutschland reserviert. Denn echte Teilhabe bedeutet, dass alle nicht nur mitmachen, sondern auch mitgestalten können.
Auch auf europäischer Ebene wachsen wir weiter und planen gemeinsame Projekte mit Partnern aus England und anderen Ländern.
Warum haben Sie sich be·worben für den Karl-Heinz-Thommes-Preis von Special Olympics Rhein·land-Pfalz?
Wir haben uns beworben, weil wir unglaublich stolz auf unser Special Olympics Team sind. Unsere Sportlerinnen, Trainerinnen und Betreuer*innen setzen sich mit so viel Herz, Freude und Engagement in ihrer Freizeit ein und bewegen gemeinsam unglaublich viel. Wir möchten, dass diese tolle Arbeit gesehen und wertgeschätzt wird.
Dass wir diesen Preis gewonnen haben, macht uns sehr glücklich und ist eine wunderbare Anerkennung für das gesamte Team. Deshalb stehen bei der Preisverleihung auch unsere Sportler*innen und das Team auf der Bühne. Denn sie sind es, die Inklusion jeden Tag mit Leben füllen, und sie haben diesen Applaus wirklich verdient!
Der Preis hat ein-tausend Euro Preis-Geld. Was machen Sie mit dem Geld?
Das Geld werden wir für die Weiterentwicklung unseres Special Olympics Teams einsetzen. Was wir damit genau machen, möchten wir gemeinsam entscheiden. Wir haben noch viele Ideen und freuen uns schon auf die nächsten Schritte im kommenden Jahr.
Natürlich gratulieren wir auch allen anderen Preisträger*innen von Herzen. Es ist schön zu sehen, wie viele Menschen sich mit so viel Engagement für andere einsetzen und dass dieses Engagement sichtbar wird.
TACHELES sagt noch mal herzlichen Glückwunsch und alles Gute an den Wasser-Sport-Verein Sinzig und das Projekt WassAhr.
Und danke, Frau Weller, für das Gespräch!